The National Times - Experten dringen auf Zusammendenken von Klima- und Artenschutz

Experten dringen auf Zusammendenken von Klima- und Artenschutz


Experten dringen auf Zusammendenken von Klima- und Artenschutz
Experten dringen auf Zusammendenken von Klima- und Artenschutz

Im Vorfeld der Veröffentlichung des nächsten Berichts des Weltklimarats IPCC zu Klimafolgen und Klimaanpassung haben deutsche Expertinnen und Experten dazu aufgerufen, Klima- und Artenschutz stärker zusammenzudenken. Ausgangspunkt müsse das Grundverständnis sein, dass sich die Entwicklung des Klimas und der Naturräume der Erde gegenseitig beeinflussen, sagte Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) auf einer Veranstaltung des Deutschen Klima-Konsortiums (DKK) am Mittwoch in Berlin.

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Der zweite Teil des neuen IPCC-Sachstandsberichts zum Themenbereich Anpassung, Folgen und Verwundbarkeit durch den Klimawandel wird am 28. Februar vorgestellt. Pörtner ist Ko-Vorsitzender der betreffenden IPCC-Arbeitsgruppe. Er betonte, in den neuen Bericht würden Erkenntnisse sowohl der Natur- als auch der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften einfließen, um die jeweiligen Wechselwirkungen in die Betrachtungen und Empfehlungen einzubeziehen.

Wichtig sei, bei allen Maßnahmen "nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die Auswirkungen auf den Artenschutz zu berücksichtigen", sagte Pörtner. Er verwies zugleich auf Grenzen auch der Anpassungsmöglichkeiten, wenn die Erderwärmung bestimmte Grenzen überschreite. So seien natürliche Ökosysteme als CO2-Speicher sehr wichtig, weltweit sei jedoch heute bereits als Folge der Erwärmung ein Nachlassen der Speicherfähigkeit etwa von Wäldern zu beobachten. "Es gibt Anpassungsgrenzen der natürlichen Systeme", warnte Pörtner.

Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) verwies auf der DKK-Veranstaltung zudem auf Folgen fehlgeleiteter Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen. Als Beispiel nannte er Anpflanzungen etwa von Mais- oder Soja-Monokulturen zur Energiegewinnung. Solche Maßnahmen hätten nur eine "geringe Effizienz, aber viele negative Effekte", besonders für die Artenvielfalt. Ähnliches gelte für Holzplantagen zur Brennstoffgewinnung.

"Der Klimawandel bedroht in zunehmendem Maße die Natur", warnte Settele. Als Beispiele nannte er die Flugzeiten von bestäubenden Insekten, die häufig nicht mehr mit den klimabedingt verschobenen Blühzeiten der Pflanzen übereinstimmten. Oberste Priorität habe daher weiterhin die Senkung der Emissionen aus fossilen Brennstoffen.

Settele forderte, für den Arten-, aber auch für den Klimaschutz mindestens 30 Prozent der weltweiten Meeres- und Landflächen unter Schutz zu stellen. Dies sei "keine utopische Zahl", wenn man unterschiedliche Schutzkategorien mit einbeziehe. Es gehe nicht nur um Totalreservate, sondern auch um den Schutz von Kulturlandschaften. "Was den Rückgang der Biodiversität aufhält, nützt auch dem Klimaschutz", sagte Settele.

Daniela Jacob vom Climate Service Center Germany (GERICS) des Helmholtz-Zentrums Hereon verwies hier allerdings auch auf Grenzen für Schutzmaßnahmen für Klima und Natur durch bereits eingetretene oder zu erwartende Klimafolgen. So machten die Renaturierung von Feuchtgebieten oder deren Neuanlegung wenig Sinn in Regionen, die immer stärker von Niederschlagsmangel betroffen seien. Entscheidend sei daher in jedem Fall die Emissionsminderung, mahnte auch sie.

R.Hawkins--TNT

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